In den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg galt der Deutsche Nautische Verein als "Schiffahrtsparlament". Es gab, so ist es in den Protokollen nachzulesen und so wird es in vielen Rückschauen der Folgezeit immer wieder herausgestellt, in der Zeit des einheitlichen maritimen Aufbaus in Deutschland kaum eine Entwicklung im deutschen Seewesen, die nicht vom Deutschen Nautischen Verein initiiert, beraten und in die parlamentarische Arbeit eingebracht worden war. Die Delegierten auf den jährlichen Verbandstagen - meist zwei- oder auch dreitätige Beratungen in Berlin - behandelten ganz konkrete Themen wie z.B. Ruderkommandos, Art der Seitenlichter, Besetzung der Seeämter mit Reichskommissaren, den Bau des Nord-Ostsee-Kanals (bereits 1872), spezielle Fragen der Betonnung und Befeuerung an den deutschen Küsten, Besetzung der Schiffe mit nautischen und technischen Patentinhabern/Schiffspersonal, Kollisionsverhütung, Revision des Strandrechtes, Rettung von Menschen und ... und ...
Unter der langjährigen Ägide des Kieler Schiffahrtsmannes Konsul August Sartori, hat sich die nautische Gemeinschaft u.a. eingehend und unterstützend mit den Plänen zum Bau eines für die großen Schiffe nutzbaren Kanals zwischen Nord- und Ostsee eingesetzt. Natürlich hat der Kieler Kaufmann dabei die Verwirklichung seiner Interessen als Makler und Reeder gesehen, letztlich aber standen hinter ihm die Ansichten der Nautischen Vereine, die sowohl eine wirtschaftliche Verbesserung aber zu Recht ebenfalls eine größere Sicherheit für die Schiffahrt zwischen den beiden Meeren sahen.
Die nach dem Ersten Weltkrieg folgenden Jahre brachten für die nautische Gemeinschaft größere Änderungen. Sachthemen und Fragen der Schiffahrt wurden jetzt meist auf den 1909 erstmals mit dem Verband Deutscher Seeschiffer-Vereine ausgerichteten Deutschen Seeschiffahrtstagen behandelt, spezielle Fragen in sog. Kommissionen beraten. Auf den zweitägigen Seeschiffahrtstagen, bis zum Ersten Weltkrieg in der Reichshauptstadt Berlin, waren wie zuvor auf den DNV-Verbandstagen hochrangige Vertreter der Reichsregierung und der politischen Parteien anwesend, die aus den Diskussionen und Beratungsergebnissen Kenntnisse und Erkenntnisse für die parlamentarische Arbeit auf- und mitnahmen.
Dann wurde diese Kommunikationsmöglichkeit mit dem unseligen Dritten Reich rigoros beendet. Die Deutsche Nautische Verein wurde mit seinen Mitgliedsvereinen zu einem zwangsverwalteten Organisationsteil der Partei, bei dem die bis dahin frei gewählten Organe in den regionalen Nautischen Vereinen vom DNV - nach Absprache - bestimmt und von der Partei akzeptiert werden mußten. Es gelang dennoch, die wesentlichen maritimen Sachthemen zu behandeln und den Menschen in der deutschen Seeschiffahrt eine Basis für fachliche Beratungen zu geben. Nicht zuletzt der Persönlichkeit des Hamburger Reeders Herbert Amsinck als Vorsitzendem ist hier zu verdanken, daß die Menschlichkeit erhalten blieb. Bis in die ersten Tage des Jahres 1945 konnte der DNV seine Arbeit mehr schlecht als recht fortsetzen, dann wurden bei einem Bombenangriff alle Unterlagen vernichtet.